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Diarrhoe = Durchfall Teil 1

Geschrieben von Michael Wappler am 02. Mai 2011. Veröffentlicht in Erkrankungen

Akuter Durchfall

Durchfall beim Hund ist einer der häufigsten Konsultationsgründe in der Kleintierpraxis. Unter Durchfall versteht man die Vermehrung der Menge, des Wassergehaltes und der Häufigkeit des Absatzes des Kotes mit oder ohne Störung der Darmmotilität.

Normalerweise passiert der Nahrungsbrei innerhalb von 8-10 Stunden den Duenndarm, dabei werden 80 % des Wassers aus dem Nahrungsbrei in den Koerper aufgenommen. Auch im Dickdarm und Enddarm wird weiter Wasser resorbiert und so die Festigung des Kotes erreicht.

Bei Störungen dieses Verdauungsprozesses kommt es zu einer beschleunigten Darmperistaltik und somit zu einer verkürzten Verdauungszeit. Dabei kann nur wenig Wasser aufgenommen werden. Durch Störungen der Darmzotten kann es auch zu einer zusätzlichen Ausscheidung von Flüssigkeit kommen.

Durchfall kann folgende Ursachen haben
  • 1. verminderte Resorption im Dünn- oder Dickdarm bzw. im gesamten Darm.
  • 2. erhöhte Sekretion besonders im Dünndarm.
  • 3. Motilitätsstörungen des Darm.

1.Verminderte Resorption

Zum Beispiel nicht entzündliche Durchfälle. Es kommt zu einem Überangebot an löslichen, resorbierbaren und nicht resorbierbaren Substanzen und Abbauprodukten im Darm. Diese sind osmotisch aktiv, d.h. sie ziehen Flüssigkeit an. Besonders aktiv sind beispielsweise Kohlenhydrate, die im Darm unter dem Einfluss von Bakterien zu Fettsäuren abgebaut werden, die wiederum sehr fiel Wasser binden.

2.Erhöhte Sekretion

Diese Durchfälle treten auf, wenn vermehrt Wasser und Elektrolyte aus dem Blut in den Darm gelangen. Dies geschieht in der Regel durch eine direkte Schädigung der Darmschleimhaut. Dies geschieht durch Infektionen mit Bakterien oder Viren. Es gibt zum Beispiel Viren (z.B. Coronaviren), die die Zottenspitzen, wo Nahrung resorbiert wird, schädigen. Aber die Stellen (Krypten) wo Verdauungssäfte in den Darm gegeben werden bleiben unversehrt, d. h. es wird weiterhin Flüssigkeit unversehrt in den Darm abgegeben, aber nichts zurückgewonnen. Eine weitere Ursache für erhöhte Sekretion können auch lymphatisch-venöse Abflußstörungen sein. Hierbei wird Lymphe oder Blut in den Gefäßen zurückgestaut, was wiederum zur Folge hat, dass Flüssigkeit vermehrt in den Darm zurückgedrückt wird. Dies führt in der Regel zu chronischen Durchfällen.

3.Darmbewegungsstörungen

Hierbei handelt es sich um Folgen der Entzündungsreaktion, die dann einen bestehenden Durchfall verschlimmern kann. Eine erhöhte Peristaltik führt zu Durchfällen. Allerdings treten auch Durchfälle auf bei Darmlähmungen. Man vermutet, daß der Durchfall hierbei durch die längere Verweildauer des Darminhaltes im Darm und damit durch die längere Einwirkungsmöglichkeit der Darmbakterien sowie die fehlende Segmentierung des Darmes entsteht.

4.Akut oder Chronisch

Als Richtwert für den chronischen Durchfall kann eine Erkrankungsdauer von über 2-3 Wochen angegeben werden. Hier wird zunächst der akute Durchfall abgehandelt. Der akute Durchfall ist im Gegensatz zum chronischen Durchfall obtmals selbstlimitierend und bedarf in der Regel keiner aufwendigen speziellen Diagnostik. Wenn der Durchfall länger als 1-2 Tage andauert (beim Welpen höchstens 5-6 Stunden !!!) sollte auf jeden Fall der Tierarzt aufgesucht werden!

Er sollte nämlich eine
  • eine klinische Allgemeinuntersuchung
  • evtl. eine parasitologische Kotuntersuchung
  • evtl. ein Blutbild und weitere Blutparameter bei Verdacht
  • ggf. eine virologische/bakteriologische Untersuchung
durchführen.