Drucken

Diarrhoe = Durchfall Teil 2

Geschrieben von Michael Wappler am 02. Mai 2011. Veröffentlicht in Erkrankungen

Auslöser akuter Durchfälle
  • 1. Viren und Leptospiren
  • 2. Bakterien
  • 3. Parasiten
  • 4. Stoffwechselerkrankungen, Medikamente, Vergiftungen
  • 5. Diätfehler bzw. Fütterunverträglichkeiten
  • 6. Hämorrhagische Gastroenteritis (Blutige Magen-Darmentzündung)

Viren und Leptospiren

1. Viren u. Leptospiren

  • a) Parvoviren

    Der Vorbericht des Tierbesitzers ermöglicht es dem Tierarzt den Verdacht zu äußern. Es erkranken v.a. junge Hunde unter einem Jahr. Zwischen dem 2. und 5. Tag treten massive Blutbildveränderungen auf. Der sichere Nachweis gelingt jedoch erst durch den Virusnachweis im Kot in den ersten Tagen der Infektion.

  • b) Coronaviren

    Es erkranken vor allem Welpen. Der Verlauf ist jedoch leichter als bei der Parvovirusinfektion. Der Nachweis erfolgt durch Kotuntersuchung im Labor. Es ist meistens jedoch nicht nötig, da sich die Hunde unter einer begonnenen Therapie schnell erholen und die Sterblichkeit sehr gering ist.

  • c) Staupeviren und Leptospiren leptospiren

    Beide Erkrankungen gehen mit Durchfall einher, gleichzeitig dominieren jedoch weitere Symptome (Staupe: Atemprobleme, Neurologische Symptome; Leptospirose: Niereninsuffizienz, Ikterus, selten Zentralnervöse Störungen). Ein Virusnahcweis in den Sekreten ist bei Staupe möglich, bei Leptospirose erfolgt die Diagnose anhand des Antikörpertiteranstieges im Blut.

2.Bakterien

2. Bakterien

  • a) Salmonellen

    Die Salmonellose kann in der Regel klinisch nicht festgestellt werden, da bedarf es des Labornachweises. Die Infektion verläuft meistens stumm als Magen-Darm Infektion, oder als Darminfektion mit anschließender Organbeteiligung. Ein positiver Nachweis von Salmonellen muß nicht mit einer Erkrankung zusammenhängen ( bis zu 35% der Hunde können Salmonellen ausscheiden, ohne Erkrankungsanzeichen zu zeigen). Ein negativer Befund schließt jedoch auch nicht einen Salmonellose aus. Beweis ist lediglich ein kultureller Nachweis aus Organen, Lymphknoten, Blut etc.

  • b) Clostridium perfringens clostridium_perfringens

    Clostridium bildet Darmgifte. Diese sind in der Regel für Enteritiden verantwortlich. Zumeist stehen jedoch chronische Infektionen und ein Dickdarmdurchfall im Vordergrund. Der kulturelle Nachweis von Clostridien ist bezüglich seiner Aussagekraft fraglich, da Clostridien auch von gesunden Hunden isoliert werden. Lediglich bei Anwesenheit von Clostridiensporen kann ein bakteriell bedingter Durchfall diagnostiziert werden.

  • c) E. coli und Campylobacter jejuni

    E. coli ist wie beim Menschen physiologischer Darmbewohner. Es kann nicht zwischen bestimmten krankmachenden und nicht krankmachenden Unterarten unterschieden werden. Insofern ist die Bedeutung von E. coli beim Durchfall des Hundes noch nicht geklärt. Auch Campylobacter jejuni wird oftmals aus dem Kot von Hunden mit oder ohne Durchfall isoliert, eine abschließende Beurteilung der Bedeutung ist auch hier noch nicht möglich.

3.Parasiten

3. Akuter Durchfall durch Parasiten

Bedeutend sind vor allem:

  • a) Helminthen (Würmer): Askariden und Ankylostomiden, Trichuris
  • b) Protozoen (Einzeller): Kokzidien (Isospora spp.), Giardien

    Akute Enteritiden durch Spul- und Hakenwürmer bei Welpen sind weit verbreitet und gut bekannt. Auch Kokzidien können vor allem bei Jungtieren akute, teilweise schwere Dünndarmdurchfälle hervorrufen. (Trichuris und Giardien verursachen meist chronische Erkrankungen, so daß diese auch dort besprochen werden.) Der wichtigste Test zum Nachweis von Parasiten ist das Flotationsverfahren, das sich zum Nachweis von Helminthen und Kokzidien, nicht jedoch zum Nachweis von Giardien eignet. Inzwischen kann bei fast jedem Tierarzt der Nachweis von Wurminfektionen durchgeführt werden.

4.Stoffwechselerkrankungen, Medikamente und Vergiftungen

4. Akuter Durchfall: Stoffwechselerkrankungen, Medikamente, Vergiftungen

Nicht zu vergessen sind Durchfallerkrankungen, denen andere Ursachen zugrunde liegen. Dazu gehören beispielsweise:

  • a) Stoffwechselerkrankungen, z. B. Urämie (Harnvergiftung)
  • b) Medikamente z. B. nichtsteroidale Antiphlogistika
  • c) Vergiftungen, z.B. Thallium-Vergiftung

Die Diagnose erfolgt vor allem anhand der Beobachtung der Tierbesitzer und der klinischen Untersuchung

5.Diätfehler und Futterunverträglichkeit

5. Akuter Durchfall aufgrund von Diätfehlern, Futterunverträglichkeiten

Diätfehler und Futterunverträglichkeiten sind sicherlich die häufigste Ursache der akuten unkomplizierten Gastroenteritiden. Ursächlich kommen in Frage:

  • Aufnahme von
  • zuviel Futter
  • zu vielen Kohlenhydraten
  • plötzlicher Futterwechsel (Sowohl Bauchspeicheldrüsenenzyme als auch die Bürstensaum(Darm-)enzyme benötigen eine Weile, um sich einem neuen Bedarf anzupassen.)
  • zu fettreiches Futter
  • verdorbenes Futter u. ä.

Die Diagnose eines diätetisch bedingten Durchfalls wird in der Regel nur anhand der Beobachtungen des Tierbesitzer in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt, sowie durch Ausschluß anderer Ursachen möglich sein. Und sie wird gesichert durch ein Ansprechen auf die Therapie. Diättehler sind nach wie vor die häufigste Ursache von akuten unkomplizierten Magen-Darmentzündungen (=Gastroenteritiden) beim Hund.

6.Gastroenteritis

6. Akuter Durchfall hämorrhagische Gastroenteritis (blutige Magen-Darmentzündung)

Eine spezielle Erkrankung, die mit akutem Durchfall einhergeht, ist die hämorrhagische Gastroenteritis. Sie betrifft vor allem Zwergrassen und kleine Rassen und hier v. a. einzeln gehaltene. gut umsorgte Hunde im Alter von 2-4 Jahren. Die Entstehung ist unbekannt. In Analogie zu einer entsprechenden Erkrankung beim Menschen wird eine überempfindliche Reaktion auf noch nicht identifizierte Gifte diskutiert.

Die Erkrankung setzt schlagartig mit schweren blutigen Durchfällen ein, und es kommt zu einer schnellen Verschlechterung des Allgemeinbefindens. Es stellen sich starker Wasserverlust, Austrocknen und Blutmangel ein, es kann schnell zum Kreislaufschock kommen. Die Diagnose der hämorrhagischen Erkrankung erfolgt anhand der Beobachtungen der Tierbesitzer und Untersuchungen des Tierarztes (-Zwergrassen (im Gegensatz zur Parvovirose: junge Hunde) ;-einzeln gut gehaltene Tiere zwischen 2 und 4 Jahren), der klinischen Befunde und der hochgradigen Blutkonzentration bei negativem Parvovirusnachweis.

Behandlung

Es ist entscheidend der Ursache bei längeren Durchfallerkrankungen auf den Grund zu gehen.

Im Zusammenhang mit der tierärztlichen Therapie ist eine Diät als wichtigste Behandlungsbegleitmassnahme bei allen Durchfallerkrankungen erforderlich. Abhängig von der Art und der Ursache des Durchfalles sind unterschiedliche Diäten notwendig. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten. Als "Erste Hilfe Massnahme" kann folgendes versucht werden:

  • 1. Die Diätbehandlung beginnt mit mindestens 24-stuendigem absolutem Hungern (Wasser sollte auf jeden Fall angeboten werden!). Dieser Nahrungsentzug ist dringend erforderlich, um den Darmzotten Zeit zur Regeneration zu geben. Jede Fütterung in dieser Zeit führt zu weiteren Darmstörungen und verlängert die Genesungszeit. In dieser Zeit darf nur abgekochtes Wasser oder Tee (am besten Kamillentee) in kleinen Mengen angeboten werden.
  • 2. Nach der Fastenzeit wird langsam und in mehreren kleinen Mengen angefüttert. Die besten Erfolge erreichen Sie mit speziellen Diätfuttermitteln. Die Sie beim Tierarzt bekommen. Zur Vorsorge vor weiteren Magen-Darmerkrankungen können bei empfindlichen Tieren magen-darmschonende Futtermittel eingesetzt werden. Wichtig ist bei einer Diät-Kombination zu bleiben, ein Wechsel der Diät belastet den Darm erneut. 5 - 8 kleine Mahlzeiten entlasten den Darm weiterhin. Diese Diät wird mindestens drei Tage oder bis zur deutlichen Besserung der Kotkonsistenz durchgeführt. Es gibt aber selbstverständlich auch eine Reihe von sehr guten kommerziellen Diätfuttermitteln, die den Vorteil haben, dass sie ausgewogen sind- und Sie nicht kochen müssen. Sollte diese Behandlung nicht innerhalb von 1-2 Tagen helfen, oder wenn Ihr Tier erbricht, oder keine Flüssigkeit mehr zu sich nimmt, dann sollten Sie unbedingt erneut einen Tierarzt aufsuchen!!!

In Ihrer Tierarztpraxis berät man Sie gerne über die Therapiemöglichkeiten und weitergehende Untersuchungen bei Durchfall. Diese ersetzen nicht den Tierarztbesuch!!