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Die Gebärmuttervereiterung

Geschrieben von Michael Wappler am 02. Mai 2011. Veröffentlicht in Erkrankungen

Die Gebärmuttervereiterung, im Fachbegriff Pyometra, entwickelt sich meist am Anfang schleichend und wird aus diesem Grund in vielen Fällen erst im Spätstadium erkannt. Dann ist sie immer ein lebensbedrohlicher chirurgischer Notfall. Durch eine massive Eiterbildung ist der Innenraum der Gebärmutter vollständig eitergefüllt. Je nach Ausprägung kann die eitergefüllte Gebärmutter die Größe wie bei der Schwangerschaft erreichen. Die Toxine der Eitererreger treten ins Blut über und erreichen so alle Organe und das führt zu einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Diese Toxine schädigen die Organe der Hündin so stark, daß die Todesrate ohne Behandlung sehr hoch ist. Außerdem kann die prall mit Eiter gefüllte Gebärmutter platzen, dann ist die Hündin ohne sofortige Operation verloren.

Ubi pus, ibi evacua, Wo Eiter ist, dort entleere ihn.

Betroffen sein können ausschließlich unkastrierte Hündinnen nach Eintritt in die Geschlechtsreife, die oft mehrmals läufig waren. Es besteht keine Rasseabhänigkeit. Hündinnen die zur Zucht eingesetzt werden, und schon häufig geworfen haben sind seltener betroffen als welche die nur einmal oder nie geworfen haben. Außerdem scheint es im Frühjahr und Sommer zu einer Häufung zu kommen. Gelegentlich geht der Vereiterung ein hormoneller Eingriff in den Zyklus voraus, wie zum Beispiel eine medikamentöse Unterdrückung der Läufigkeit mit Spritzen oder Tabletten.

Im Zusammenhang mit vom normalen Sexualzyklus abweichend häufig wiederkehrenden Läufigkeiten und verstärkten oder übermäßig abgeschwächten Scheinträchtigkeitssymptomen besteht ein erhöhtes Risiko der Ausbildung einer Pyometra, da diese Symptome hinweisend für eine hormonelle Störung sein können.

Entstehung

Grundlage für das Entstehen einer Gebärmuttervereiterung ist die Läufigkeit. In der Hitze ist der Zervix (Muttermund) für eine längere Zeit geöffnet und das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) gut durchblutet. Bakterien können dann über die Vulva (Scheide) durch den Muttermund eindringen und finden im Uterus (Gebärmutter) einen idealen Nährboden um sich zu vermehren. Es bildet sich Eiter. Wenn sich dann der Muttermund wieder schließt kann der Eiter nicht mehr abfließen und die Gebärmutter wird sich prall füllen. Spätestens jetzt zeigen sich die ersten Symptome.

Symptome

Am Anfang ist nur wenig zu merken. Die letzte Läufigkeit liegt in der Regel 3 bis 6 Wochen zurück. Die Nieren versuchen jetzt die im But enthaltenden Giftstoffe auszuscheiden und die Hündin zeigt übermäßig starker Durst und daraus folgend große Urinmengen. Dann (aber nicht immer) kommt es zum , eitrig-blutig, oder auch schokoladenfarbig, häufig übel riechendem, Ausfluss aus der oft vergrößerten Vulva. Die Hauptkeimlast besteht aus E.Coli,Staphylococcus intermedius und Streptokokken.

Daneben bestehen teilweise Schmerzhaftigkeiten im Bereich des Abdomens, häufig leiden die Tiere zusätzlich an Durchfall. Dazu kommen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Erbrechen. Die Hündin zeigt Bewegungsunlust und eine schnelle Atmung. Es kann auch zu Temperaturen über 39°C.

Wenn die Hündin jetzt nicht sofort operiert wird ist der Tod unvermeidbar.

Zur Diagnosesicherung erfolgt am Besten mit einer Blutuntersuchung, einem Röntgen und mit Ultraschall.

Therapie

pyometra

Die sicherste Behandlung der Pyometra ist die Ovariohysterektomie d.h. die Kastration. Das ist die Entfernung der vereiterten Gebärmutter inklusive beider Eierstöcke. Vorteil dieser Operation ist die Sicherheit das die Ursache des Übels entfernt worden ist. Wie bei jedem Vorteil gibt es natürlich auch Nachteile. So kommt es manchmal zur Harninkontinenz, zu Fellveränderungen und durch den Hormonmangel zur Adipositas d.h. Verfettung.

Bei jeder der Behandlungsformen ist eine Antibiotkagabe mit Breitbandantibiose über ca. 10 Tage notwendig. Üblicherweise werden Amoxicillin-Clavulansäure-Kombinationen oder Gyrasehemmer verwendet. Je nach Situation des erkrankten Tieres steht vor einer Therapie die Stabilisierung des Kreislaufes, gegebenenfalls durch Infusionensbehandlung und Intensivtherapie.

Komplikationen

Die gefürchtetste Komplikation ist die Perforation (Zerreißung) des Uterus in der Bauchhöhle. Sie tritt fast mit Sicherheit bei einer geschlossenen Pyometra ein, wenn keine OP vorgenommen wird. Sie kann auch noch unter der Operation durch Manipulation am Uterus erfolgen durch eine vorgeschädigte Uteruswand oder eine Perforation durch chirurgische Instrumente.

Durch diese Eröffnung des Uterus fließt der Eiter in den Bauchraum. Je nach Eitermenge kommt es zu einer lokalen oder einer systemischen Peritonitis (Bauchfellentzündung). Es kommt zu akuten Abdomen, welches wiederum eine absolute OP Indikation darstellt um das Leben des Tieres zu retten.

Eine weitere Komplikation sind bleibende Nieren- und Leberschädigungen durch die Endotoxine (giftige Stoffwechselprodukte) der Eiterbakterien.