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Die Tollwut

Geschrieben von Michael Wappler am 02. Mai 2011. Veröffentlicht in Erkrankungen

Nein, sie ist nicht ausgestorben, die Tollwut (Rabies, Lyssa)! Das EU-Frühwarn- und Reaktionssystem zur Warnung der Gesundheitsbehörden vor Krankheitsausbrüchen hatte Ende August an alle Mitgliedsstaaten eine Tollwutwarnung herausgegeben. Der Fall ist nicht regional begrenzt etwa auf Südfrankreich, wo nun wieder Tollwutfälle auftraten, nicht auf Osteuropa.

 

Das Tollwut-Virus gehört zu der Gruppe der zylindrisch geformten RNA-Viren, der sogenannten Rhabdo-Viren. Es ist eine lebensbedrohliche Infektionserkrankung, die meist durch den Biss eines erkrankten Tieres übertragen wird. Anfällig sind in unseren Breiten Füchse und Fledermäuse, aber auch Waschbären und Marder. Hasen, Mäuse und Ratten sind selten infiziert.

An der Infektionsstelle vermehrt sich das Virus zunächst in den Muskelzellen. Von dort wandern sie in über Nervenbahnen ins Zentrale Nerven-System im Gehirn; dort vermehrt es sich weiter und erzeugt neurologische Ausfallerscheinungen. Vom Gehirn gelangt es zum Schluss in die Speichel- und die Schweissdrüsen, von wo aus es auf andere Lebewesen übertragen werden kann.

Die weitgehend symptomfreie Inkubationszeit ist in der Regel drei bis acht Wochen, doch wurden schon Inkubationszeiten von wenigen Tagen bis über einem Jahr festgestellt. Kopfwunden haben kürzere Inkubationszeiten als Bisse in Arme oder Beine.

Die Tollwut verläuft in drei Stadien. Im ersten Stadium, in der Inkubationszeit, können untypische Symptome auftreten. Das zweite Stadium ist durch folgende, spezifische Symptome gekennzeichnet: Angstgefühle, Unruhe, Krämpfe der Rachenmuskulatur, ausgelöst durch den Schluckakt; Speichelfluss, Wasserscheu, Krämpfe der Skelettmuskulatur; aggressiver und depressiver Gemütszustand wechseln.

Im letzten Stadium lassen die Krämpfe und die Unruhe nach - bei gleichzeitiger fortschreitender Lähmung der Skelettmuskulatur. Der Tod tritt durch Lähmung der Atemmuskulatur ein.

Unbehandelt führt die Tollwut in bisher allen Fällen zum Tode, 100-prozentige Letalität. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem tödlichen Ausgang liegt dabei maximal eine Woche.

Wildtiere verlieren alle Scheu, Haustiere werden aggressiv.

Die Diagnose erfolgt durch den direkten mikroskopischen Nachweis von Virus im Speichel oder in den Haarfollikeln des Patienten. Der Patient sollte vor allen unnötigen Reizen geschützt werden, er braucht abgedunkelte Räume und völlige Ruhe.

Die sofortige lokale Wundbehandlung ist sehr wichtig: Die Wunde sollte sofort und ausgiebig gereinigt und desinfiziert werden. Ein Nähen der Bisswunden wird nicht empfohlen.

Eine ausreichende Tollwut-Prophylaxe durch Impfung ist durch die neu aufgetretenen Fälle (auch aus dem nordafrikanischen Raum) wieder erneut angeraten.