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Das Schwanzweddeln

Geschrieben von Michael Wappler am 08. Juli 2011. Veröffentlicht in Hundeerziehung

 

Er kreist wie ein Rotor an seinem Hinterteil des Hundes, klopft rhythmisch gegen die Wand oder ragt steil in die Luft, wenn Gefahr in Verzug ist. Über seine Rute kann der Hund seine Gefühle äußern. Das Dumme ist, das es auch genau so oft von uns missverstanden wird. Dieser Artikel soll einen kleinen Einstieg geben und so für mehr Verständnis auf beiden Seiten sorgen.

Wieso mit dem Schwanz?

Die einfache Antwort lautet: „Weil sie es können.“ Die Rute hat bei fast allen Tieren viele Funktionen. Von der Kuh über Eichhörnchen bis zum Affen oder unserem Hund zeigen sich im Tierreich bei allen Arten folgende Funktionen.

  1. Zur Fliegenabwehr
  2. Als Kommunikationsmittel
  3. Zur Verteidigung
  4. Als Körperstütze
  5. Zur Haltefunktion oder Fortbewegung
  6. Als Schutzfunktion
  7. Zum Ausbalancieren des Gleichgewichtes

Ein kräftiges Wedeln mit hoher Frequenz und Amplitude ist, wenn man den Biologen glauben kann, nur von Hunden und Wölfen bekannt. Heute wollen wir darum dieses WEDELN mal unter die Lupe nehmen.

Die Duftverteilung

Durch die Bewegung der Rute wird die Duftdrüse im Analbereich der Tiere stimuliert und die Duftstoffe ausgeschieden. Durch das schnelle wedeln wird dann der Duftstoff natürlich besser in der Umwelt verteilt. Diese Duftstoffe sind die Visitenkarte unseres Hunds und geben anderen Tieren Auskunft über Alter, Geschlecht, Status und Stand des Tieres. So tragen sichere Hunde die Rute nach oben und geben die Analdrüsen frei, dagegen pressen unsichere Tiere den Schwanz zwischen die Beine, verdecken die Drüsen und wedeln wenn überhaupt nur mit dem Schwanzende.

Links oder Rechts – Zufall oder bewusst?

Forscher haben herausgefunden das es kein Zufall ist ob der Schwanz mehr nach rechts oder links wedelt. Die Richtung sagt etwas über das Gefühlsleben des Tieres aus. Es zeigte sich in der Auswertung der Ergebnisse das bei Freude (z.B. Herrchen kommt nach Hause) die Rute sich mehr nach rechts bewegt. Im Zustand der Ankst oder Unsicherheit zeigte sich eine Tendenz der Rute nach links. Zurückgeführt wird das auf die verschiedenen Gehirnhälften. Das wedeln nach links zeigt eine Fluchttendenz wogegen das wedeln nach rechts eine Bereitschaft zur Annäherung signalisiert. Das wedeln spiegelt also immer ein Erregungszustand wieder.

Ohne Grund wedelt kein Hund

Die Hauptrichtung links oder rechts ist aufgrund der schnellen Bewegung aber nur schlecht zu erkennen und so schwer zu deuten.

schwanzwedeln

Was sagt das Schwanzwedeln!

Natürlich können Hunde auch als Zeichen übermäßiger Freude, also einer starken positiven Erregung, mit dem Schwanz wedeln. In der Tat tritt die heftigste Form des Wedelns (maximale Amplitude, hohe Frequenz) bei der Begrüßung von Rudel- oder Familienmitgliedern auf, begleitet von Fiepen, Winseln, Hüpfen und absurdesten Verrenkungen, um das Freudenwedeln maximal zu unterstützen - ein Verhalten, das besonders bei Welpen zu beobachten ist. Im Vergleich zum Urvater Wolf weisen Hunde in vielen Punkten lebenslang Welpenverhalten auf.

Konflikt und Konfliktlösung

Andere Zoologen deuten das Schwanzwedeln eher als Konfliktverhalten. Hunde die zwischen zwei Bedürfnissen hin und her gerissen sind verleihen so ihrem Konflikt Ausdruck. Das Wedeln spiegelt also eine innere Spannung wieder z.B. den Konflikt zwischen bleiben und zurückweichen.

So schlimm das also für uns Halter klingt, die Begrüßung unseres Hundes an der Tür ist Ausdruck eines Konfliktes. Das immer fröhlich gedeutete Begrüßungsritual ist nicht ausschließlich ein Zeichen der Freude.

Verhaltensbiologisch interpretiert zeigt der Hund dem Heimkehrenden Rudelführer Gesten der Demut und Beschwichtigung. Es sind Typische Zeichen von Welpen verhalten. Hierzu gehört das Hoch- oder Anspringen (Futterbetteln) ebenso wie die häufig geduckte Haltung mit beschwichtigendem Wedeln. Manche Hunde verlieren vor Aufregung sogar Harn, was ihre innere Unruhe besonders deutlich macht.

Wo ist da nun der eigentliche Konflikt? Der Hund ist sich nicht im klaren darüber was auf ihn zukommt wenn wir zurück kehren. Er weiß nicht ob wir gute oder schlechte Laune haben, ob wir bleiben oder gleich wieder gehen. Bringen wir Futter oder neue soziale Kontakte. Aus dieser Unsicherheit heraus versucht der Hund uns durch Gesten von vornherein gleich einmal milde zu stimmen.

Die Verbindung zwischen Rute und Hundekörper

Das Wedeln kann aber nicht losgelöst vom Hund als gesamtes betrachtet werden. Bei einem entspannten Hund hängt der Schwanz locker runter, wenn es die Rasse zulässt, der Rücken ist gerade und die Ohren sind in Normstellung.

Wenn jetzt der Schwanz zu Wedeln anfängt hat irgendetwas die Aufmerksamkeit des Hundes erregt. Durch die Änderung seiner Körperhaltung zeigt der Hund seine Absicht an. Werden die Ohren angelegt, die Hinterläufe eingeknickt, der Rücken gebeugt und der Schwanz geklemmt so entspricht das der Demutshaltung. Diese Haltung kann versöhnlich oder unterwerfend sein, kann sich aber auch rasch andern oder variieren und so entstehen dann die Missverständnisse zwischen Hund und Mensch.

Stellen Sie sich folgendes vor. Ein Kind nähert sich mit ausgestreckten Armen einem angeleinten Hund und will ihn streicheln. Der Hund empfindet die Gesten des Kindes als bedrohlich und fühlt sich bedrängt. Da er weder ausweichen noch fliehen kann, versucht er, den Konflikt über ein freundliches Schwanzwedeln zu lösen. Nähert sich das Kind nun weiter und unterschreitet die akzeptierte Individualdistanz des Hundes, kann sich dessen Verhalten abrupt ändern. Dem Hund bleibt nur noch die Verteidigung in Form von Knurren, Schnappen oder gar das Angreifen. Und das, obwohl er kurz zuvor noch gewedelt hat! Das Wedeln und die Körperhaltung dienen dem Hund als konfliktlösendes Verhalten mit dem Ziel der Beschwichtigung, doch es wird von dem herannahenden Kind ignoriert und zeigt keine Wirkung. Dies führt zur Änderung der Strategie, die nicht selten ins Gegenteil umschlagen kann. Das Schwanzwedeln für sich betrachtet gibt also keine zuverlässige Auskunft über die Absicht oder gar Wohlgesonnenheit eines Hundes!

Rasseunterschiede

Durch gezielte Zucht und die darauf folgende Selektion wurden vom Menschen ganze Körpermerkmale des Hundes so verändert das viele Rassen nur noch wenig Gemeinsamkeiten mit dem Urvater Wolf haben. Als Folge dieser Veränderung hat sich auch die Möglichkeit des Ausdrucks verändert z.B. die kupierte Rute.

Eine kupierte Rute (ist heute in Deutschland endlich verboten) kann schlecht aufgestellt oder geklemmt getragen werden. Wedeln ist auch mehr schlecht als recht möglich. Der Hund kann das Bewegungshandicap ausgleichen aber die Funktion des Kommunikationsverlustes nicht.

Die kurze Rute einiger Terrierarten ragt senkrecht in die Luft. Das kann schnell als Droh- oder Imponiergehabe missverstanden. Ähnliches gilt für Ruten voller Länge, die rassespezifisch hoch erhoben über dem Rücken getragen werden (z.B.Spitz).

Für Hunderassen die ihre Rutte auch im entspannten Zustand zwischen den Beinen tragen gilt dasselbe. Hier nimmt der Gegenüber einen unsicheren, ängstlichen oder unterwürfigen Hund wahr, zumal auch noch häufig der Rücken gekrümmt ist. Diese permanente Demutsbezeugung irritiert andere Hunde und zuweilen auch Menschen.

So gibt es noch viele andere Varianten und es ist nicht immer einfach richtig mit den Gefühlsäußerungen der Hunde umzugehen.