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Welpenerziehung

Geschrieben von Michael Wappler am 08. Juli 2011. Veröffentlicht in Hundeerziehung

Grundlagen aller Welpenerziehung

Der Umgang mit einem Hund basiert auf Vertrauen, Verständigung und Kooperation. Deshalb wird jedes einzelne Lernziel durch positive Motivation, Belohnung und viel Geduld in kleinen Schritten erreicht. Bestrafungen wie Leinenzug oder Hinunter drücken von Körperteilen oder andere unangenehme Handlungen demotivieren den Hund und sollten aus medizinischen Gründen vermieden werden.

Warum Erziehung:

  • Sozialisierung der Welpen und finden der Rangordnung
  • Stabilisierung der Halter – Hund Beziehung
  • Gewöhnung an die Umwelt
  • Sammeln von positiven und negativen Erfahrungen
  • Erlernen von korrektem Verhalten gegenüber anderen Menschen und Hunden

Was muss der Hund lernen

  • Grundkomandos wie Sitz, Platz, Bleib, Komm
  • Abliegen
  • Berührungsunempfindlichkeit
  • Spielfähigkeit
  • Leinenführigkeit
  • Unterlassung nicht erwünschten Verhaltens
Alles was im ersten Lebensjahr erlernt wird vergisst der Hund nie wieder.

Wie lernt der Hund das

Der Hund sollte ausgeruht und nicht gefüttert sein. Als Halter sollten sie stets ausreichend viele Leckerli und ein geeignetes Beutespielzeug bei sich haben. Statt eines Halsbandes wird für den Welpen ein Brustgeschirr empfohlen, das nicht an den Schultern zerrt und nirgends einschneidet.

Alle Rufzeichen sind freundlich, hell und präzis. Das wechseln der Stimmlage sollten wenn möglich vermieden werden, damit der Welpe sich an eine Tonart gewöhnen kann. Als „ Rudelführer “ sollten sie immer sicher und überlegen sein, nicht brüllen und immer freundlich bleiben. Es lohnt sich, die gesamte Palette der Belohnungsmöglichkeiten zu nutzen. Diese sind: Leckerli, Streicheln, Schmusen, Spiel, Bewegung. Nach jeder geglückten Einzelübung wird angemessen belohnt.

Der Hund lernt viel durch Einsicht und Nachdenken. Dazu braucht er Zeit. Das ist gerade beim ersten Erlernen einer Aufgabe besonders wichtig. Deshalb braucht sie viel Geduld und Einfühlungsvermögen!

Richtig spielen - aber wie

Neben den vielen Möglichkeiten, mit dem Hund beim Spaziergang zu spielen, beginnen wir hier mit dem Beutespiel. Der Halter hat ein geeignetes Spielzeug (z. B. einen Ball, Hartgummipuppe, eine Beißwurst oder einen Zottel) bei sich. Diese wird geworfen und der Hund wird von Natur aus hinterher rennen. Wenn die Beute gebracht wird ist der Hund mit einem Leckerli zu belohnen. Wird die Beute nicht gebracht wird der Hund ignoriert und nicht angesehen. Die Beute wird vom Halter geholt und dem Hund nicht gleich wieder gegeben. Dann wird weiter gespielt.

Die Beute rennt dem Hund nie hinterher.

 

Der Halter muss bei Zerrspielen auch mal nachgeben, und die Beute hin und wieder verlieren, damit der Welpe ein Erfolgserlebnis hat und zum weiterspielen animiert wird. Dann lockt man den Hund wieder zu sich und spielt weiter. Dabei schaut der Halter dem Hund stets in die Augen. Als Halter muss man auch lernen zu erkennen wann das Spiel zu langweilig für den Welpen wird und das Spiel beenden.

Bei Zerrspielen sehr vorsichtig wegen der Zähne des Welpen!

Wird das Spielen beherrscht, kann man andere Aufgaben mit einbauen.

Bring das Spielzeug

  1. Animieren sie den Hund mit einem beliebten Spielzeug.
  2. Der Halter richtet sich auf, legt das Spielzeug vor den Hund ab und geht ein paar Schritte zurück. Dann kommt das Kommando „Bring“ mit einem Fingerzeig auf das Spielzeug. Jetzt ist Geduld gefragt und nur Übung macht den Meister. Wenn der Hund das Spielzeug bringt wird er überschwänglich gelobt und belohnt. Wenn der Hund das Spielzeug nicht bringt wird er ignoriert und nicht gelobt.
  3. Das Spielzeug ablegen und den Hund „Sitz“ machen lassen. Dann das Zeichen für „Bleib“ geben (wenn es der Hund schon kennt) . Der Hund muss sitzen bleiben. Dieser Teil der Übung braucht Geduld und Ruhe. Nun entfernt sich der Halter ganz ruhig anfangs 5 Schritte (Steigerung je nach Hund) und behält dabei Augenkontakt. Jede schnelle Bewegung veranlasst den Hund, aufzustehen! Die positive Spannung zwischen Hund und HF wächst dabei ständig. Nun geht der HF weitere 5 Schritte weg vom Hund und ruft "Bring das Spielzeug". Der Hund stürmt los, ergreift die Beute und rennt zum Halter. Wenn er an ihm vorbei rennt, muss der Halter wegrennen, den Hund locken, dabei immer die Richtung wechseln, bis der Hund in seine Nähe kommt. Der Halter greift einen Teil des Spielzeugs und spielt mit dem Hund. Dann wieder Loben und belohnen.

Durch Körperzeichen während des Hörzeichens "Bring das Spielzeug" erreicht der Halter besser, daß der Hund direkt zu ihm rennt, sich vor ihn hinsetzt und zum Spiel mit der Beute auffordert. Bevor der Hund die Lust am Bringen verliert, überläßt man ihm das Spielzeug nach dem Spiel.

Misslingt die Animierung, so sollte man abbrechen. Der Hund ist übermüdet, zu abgelenkt, oder nicht entspannt. Dann spielt man in "reizarmer" Umgebung in entspannter Atmosphäre Zuhause. Lässt der Hund die Beute zu früh fallen oder nimmt sie nicht auf, so nimmt der Halter die Beute und animiert an der abgelegten Stelle von neuem, wobei er den Hund danach spielerisch an die Stelle führt, wohin der Hund den Gegenstand bringen sollte. Dort wird noch einmal kräftig gespielt und dann Schritt 2 durchgeführt.

Besuch belebter Orte üben

Der Halter geht mit kurz angeleintem Hund in die Gaststäte, setzen sich mit großem gegenseitigem Abstand hin und verhalten sich ruhig. Wenn der Hund schon "Platz" kann, legt man ihn damit ab. Sonst wartet man ruhig ab, indem man den Hund ignoriert. Nach einer gewissen Zeit legt sich der Hund und beruhigt sich auch. Dann noch einen Moment warten und ruhig loben (so ruhig, dass der Hund liegen bleibt). Die Gaststätte wird nach angemessener Zeit wieder verlassen.

Bitte nicht in einer überfüllten, unruhigen Gaststätte zur Hauptgeschäftszeit anfangen zu üben.

So lerne ich an der Leine zu laufen

Der Hund wird an der kurzen Leine geführt, wobei am Anfang in eine Hand ein Leckerli oder Spielzeug genommen wird. Der Halter wechselt oft die Richtung und Gangart, wobei er dem Hund wie beim Spiel stets in die Augen schaut. Verliert er den Augenkontakt zum Hund, so bleibt er reglos mit festgehaltener Leine stehen. Der Hund wird die Leine anspannen und bestimmt so selbst die Zugstärke. Der HF wartet reglos, bis sich die Leine entspannt (mit viel Geduld!), und ruft dann den Hundenamen. Wenn der Hund sich umschaut, lockt ihn der Halter (gern auch mit Leckerli oder Spielzeug) in eine andere Richtung mit rascher Gangart und sagt "Bei mir". Während des korrekten Gehens, d. h. solange der Hund zum Halter schaut und die Leine locker durchhängt, erhält der Hund in unregelmäßigen Zeitabständen eine Belohnung und Lob.

Entspannt sich die Leine auch nach längerer Zeit nicht, geht der Halter vorsichtig auf die halbe Entfernung zum Hund hin (ohne von sich aus die Leine zu lockern). Schaut der Hund sich noch immer nicht um, wird die Entfernung weiter halbiert, usw. Die Annäherung an den Hund muss unbedingt vorsichtig, also unbemerkt vom Hund geschehen, damit der Hund dies nicht als Aufforderung zum Weiterzerren in die von ihm gewünschte Richtung missversteht.

Die Übungszeit sollte am Anfang 3 – 5 Minuten betragen. Diese Zeit kann in den nächsten Wochen bis auf maximal 15 Minuten steigern. Es handelt sich nicht um eine Fuß-Geh-Übung. Deshalb ist das zu benutzende Hörzeichen auch "Bei mir!"und nicht „Fuß“. Die Fußübung wird in der Junghundeausbildung extra aufgebaut.

Das Komando "Komm"

Komm ist eines der wichtigsten Kommandos für den Hund. Das Kommando „Komm“ wird nur gerufen wenn Blickkontakt zum Hund besteht. Wenn der Hund keinen Blickkontakt hat wird dieser Aufgebaut indem man seinen Namen ruft. Solange bis der Hund einen anschaut. Tut er das nicht wird die Distanz solange verringert bis der Blickkontakt besteht. Jetzt kommt das Kommando. Verstärkt wird das Hörzeichen "Komm" durch eine rasche kurze Rückwärtsbewegung (mit Blickkontakt) und eine sichtbare Bewegung der Arme.

Beim "Komm" nie nach vorn lehnen. Das hält den Hund auf Distanz. Bei sehr jungen Welpen hilft ein Hinknien. Das Herankommen nach dem Rufzeichen wird immer sofort belohnt, auch wenn man sich vorher über seinen Hund sehr geärgert hat. Das Wort "Komm" darf nur zum Kommen benutzt werden. Vermeiden Sie den schlampigen Alltagssprachgebrauch wie "Ach komm, los jetzt", "Komm, lass das" usw.

Das Komando "Sitz"

Der Halter stellt sich vor den Hund und redet ihn mit seinem Namen an. Wenn der Hund zu ihm blickt, führt der Halter seine Hand (zunächst mit Leckerli) von seiner Körpermitte senkrecht nach oben und streckt sich dabei. Das Tempo muss so gewählt werden, daß der Hund nicht hinterher springt. Mit der flachen anderen Hand (Handteller zum Hund gewendet) kann man ebenfalls ein Nachspringen verhindern. Gleichzeitig erklingt freundlich das Hörzeichen "Sitz". Sitzt der Hund, so wartet man noch eine Weile und belohnt und lobt dann.

Das Komando "Platz"

Der Halter bringt zunächst den Hund in die Sitzposition. Dann klemmt er ein Leckerli zwischen Daumenwurzel und Zeigefinger der flachen Hand, hockt sich neben den Welpen, streicht die Hand vom Welpen aus langsam auf dem Boden entlang und sagt dabei ruhig und freundlich "Platz". Der Hund folgt der Hand, streckt sich, macht Platz und versucht, das Leckerli aufzunehmen. Der Halter lässt die Aufnahme jedoch erst nach kurzer Zeit zu. Die Übung wird mit einem Aufstehen und Spiel beendet. Später wird der Hund nicht mehr vorher in die Sitzposition gebracht. Im noch späteren Übungsstadium bückt sich der Halter nur noch. Schließlich werden alle Bewegungen nur noch angedeutet.

Das Abliegen lassen

Der Halter bindet den Hund an einen Pfosten mit so kurzer Leine an, daß der Hund sich bequem hinlegen kann. Dann läßt er Platz machen und wartet einige Sekunden gleichgültig dabei. Dann geht er zum Hund, lobt und belohnt ihn bei Erfolg. Nach und nach verlängert man die Wartezeit und geht gleichzeitig ein bis zwei Schritte vom Hund weg. Die weitere Steigerung sowohl der Wartezeit als auch der Distanz wird äußerst langsam vorgenommen.

Diese Übung kann man sehr gut zunächst in der Wohnung und mit einem schon müden Hund durchführen.