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Das Fell

Geschrieben von Michael Wappler am 29. Juli 2011. Veröffentlicht in Hundephysiologie

Tierfell besteht aus vielen Millionen Haaren, die durch die oberste Hautschicht, die "Epidermis", wachsen. Die Haare wachsen in Gruppen aus tiefen, engen Spalten, den sogenannten Follikeln, deren Tiefe je nach Haarstärke und Körperstelle variiert.

Haar besteht fast ausschlieslich aus Proteinen vom Typ Keratin und einem geringen Anteil an Mineralstoffen. Die Konzentration dieser Mineralstoffe kann von Ernährungswissenschaftlern festgestellt werden. Daraus wird dann der Bedarf einer Spezies an Mineralstoffen für das Haarwachstum ermittelt. Hunde brauchen im Fellwechsel bis zu 25% ihres täglichen Proteinbedarfs nur fur das Wachstum der Haare. Die Farbe der Haare von Säugetieren wird durch ein Pigment namens Melanin bestimmt.

1. Die Funktion von Haut und Fell

Haut und Fell bilden ein komplexes System, das viele Aufgaben erfüllt.
Hier eine Aufstellung:

Schutz

Die Haut umgibt den Körper eines Tieres und schützt ihn so vor physischen und chemischen Schäden. Sie trägt durch die Steuerung der Wärmeabgabe mit dazu bei, dass die Körpertemperatur konstant bleibt. Das Fell bildet eine Isolierschicht gegen Temperaturschwankungen und andere klimatische Einflüsse.Die Haut erfüllt im Immunsystem als Sitz der aktiven und passiven Infektionsabwehr wichtige Aufgaben zur Gesunderhaltung des Hundes. Deshalb können Hauterkrankungen, besonders der Schleimhaute, schnell zu schwerwiegenden Sekundärerkrankungen führen.

Im Unterschied zum Menschen regulieren Hunde ihre Körpertemperatur nicht durch Schwitzen. Hunde haben nur eine sehr kleine Verdunstungsfläche am Körper: Die Ballen und Zwischenzehenräume an den Pfoten. Überschüssige Körperwärme wird hauptsächlich durch die Verdunstung von Wasser auf der Zunge beim Hecheln abgegeben.

Speicher

Die Haut fungiert als Speicher von Flüssigkeiten, Fetten und Elektrolyten.

Ausscheidung

Die Haut scheidet Flüssigkeiten, einige Mineralstoffe, Stickstoffsubstanzen und Zellmaterial durch Schweis- und Talgdrüsen aus.

Sinnesorgan

Haut und Fell von Tieren fungieren als Tastorgane, die Veränderungen der Temperatur und des Luftdrucks wahrnehmen.

Kommunikation

Die Haut spielt eine wichtige Rolle im Sozialleben der Tiere. Sie gibt Gerüche ab, die das Sexualverhalten steuern und es den Tieren ermöglichen, sowohl sich gegenseitig als auch die jeweiligen Territorien zu erkennen. Auch für die Kommunikation zwischen Heimtieren und ihren Besitzern spielt das Fell eine wichtige Rolle. Viele von uns geniessen es, unsere Heimtiere zu streicheln und zu pflegen. An anderer Stelle berichten wir über die erstaunlichen medizinischen und psychologischen Vorteile dieser Beziehung.

2. Was den Zustand des Hundefells beeinflusst

Auch wenn Sie die Veränderungen des Hundefells nicht direkt sehen konnen, durchlaufen Zustand und Aussehen der Haare stufenweise Veränderungen. Hunde haaren wegen jahreszeitlich bedingter Veränderungen der Tageslange und Temperatur. Das fallt besonders bei Hunden auf, die im Freien leben. Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, wechseln sie ihr Fell. Bei Hunden, die im Haus leben, treten diese Fellwechsel nur in abgeschwächter Form auf. Sie verlieren oft das ganze Jahr über Haare.

Viele Krankheiten können Haut und Fell eines Hundes angreifen. Da neben der Ernährung noch eine Menge andere Faktoren den Zustand von Haut und Fell beeinflussen, kommen einige Krankheiten auch bei Tieren vor, die hinreichend mit ausgewogener Nahrung versorgt werden. Dazu gehören Infektionskrankheiten durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten, Verletzungen, Störungen des Hormonhaushalts oder des Stoffwechsels und andere Faktoren. Daher sollten Sie Ihren Tierarzt um Rat fragen, sobald Sie starke Veränderungen an Haut und Fell Ihres Hundes bemerken.Hier die typischen Anzeichen von Störungen, die mit der Ernährung in Zusammenhang stehen konnen:

  1. Schuppen- und Flechtenbildung  sogenannter "Schorf" und Juckreiz
  2. trockenes, glanzloses Haar
  3. Haarausfall
  4. Hautentzundungen (Dermatitis)

Zeigt ein Hund eines dieser Symptome, so ist es besser, wenn Sie ihn eine Zeitlang mit einer gut ausgewogenen, kommerziell hergestellten Nahrung entsprechend den Herstelleranweisungen füttern. Sie sollten auch jede Art von Zusatzfuttermitteln vermeiden, wie z.B. Mineralien oder Vitamine. Bitten Sie Ihren Tierarzt um Rat.

3. Mangel an essentiellen Fettsäuren (EFA)

Alle Saugetiere brauchen essentielle Fettsäuren (EFA), um Zellmembrane herzustellen. Essentielle Fettsäuren sind in vielerlei Hinsicht für den Gesundheitszustand von Bedeutung. Sie spielen für Haut und Fell, für die Nierenfunktion und für die Fortpflanzung eine Rolle. Die wichtigste EFA für Hunde ist Linolsäure, die hauptsächlich in Pflanzenölen auftritt. EFA-Mangel lasst das Fell des Hundes rau und bruchig werden, verursacht Schuppen, schlechte Wundheilung und trockene Haut. Hunde, die mit fettarmer Nahrung ohne ausreichende Pflanzenöle gefüttert werden, entwickeln meist einen direkten oder primären EFA-Mangel.

Sekundärer EFA-Mangel tritt meist bei Hunden mit Problemen an Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm auf. Diese verringern die Fähigkeit des Hundes, Fett aufzunehmen und zu verarbeiten. Wenn Ihr Hund an einer solchen Erkrankung leidet, müssen Sie ihn behandeln und seine Ernährung nach Anweisung des Tierarztes zusammenstellen.

4. Mangel an Proteinen und Aminosäuren

Hunde können Mängel an Proteinen und Aminosäuren aufweisen, wenn diese nicht ausreichend in ihrer Nährung enthalten sind. Die allgemeinen Anzeichen dafür sind brüchiges, farbloses Haar, das leicht ausfällt und nur langsam nachwächst. Besonders Mangel an den Aminosäuren Tyrosin, Tryptophan und Cystin hat Einfluss auf die Bildung von Haut- und Haarpigmenten. Doch wenn Ihr Hund nicht nur mit Cerealien ernährt wird, kann er kaum derartige Mangel haben. Ein chronischer Mangel an schwefelhaltigen Aminosäuren wie Methionin und Cystin führt ebenfalls zu Haarausfall. Mangelerscheinungen von Proteinen und Aminosäuren treten eher bei Hunden auf, die unausgewogene Nahrung mit wenig tierischen Proteinen bekommen. Bei ausgewachsenen Tieren kann es Jahre dauern, bis dieser Mangel sichtbar wird. Früher bemerken Sie diese Probleme bei Welpen, die infolge falscher Ernährung an Wachstumsstörungen leiden konnen.

5. Mangel an Mineralstoffen

Mineralstoffmangel kann an einem zu niedrigen Mineralstoffgehalt oder an Mineralstoff-Antagonisten (die die Aufnahme verhindern) in der Nahrung liegen.
Ein sekundärer Zinkmangel entsteht vor allem bei einem hohen Kalziumgehalt der Nahrung. Das Kalzium konkurriert dort, wo es absorbiert wird, mit dem Zink. Oder das Zink steht nicht zur Verfügung, weil es durch Phytate in der Nahrung gebunden wird. Phytate sind komplexe organische Substanzen, die Phosphor enthalten. Sie finden sich hauptsächlich in Getreidefasern, können Spurenelemente wie Zink binden und so ihre Aufnahme im Darm verhindern. Zu den Symptomen von Zinkmangel gehoren Haarausfall, Hautverdickung ("Parakeratose") und ein Verlust der Haarpigmentierung ("Achromotichie"). Wissenschaftler könnten mehrere Reaktionen auf Zinkmangel bei Hunden identifizieren. Daraus folgt, dass Zink sehr wichtig für gesundes Fell und gesunde Haut Ihres Hundes ist. Bei einigen Rassen kommt Zinkmangel häufiger vor. Der Siberian Husky und der Alaskan Malamute sind zum Beispiel anfälliger für zinkbedingte Dermatose. Die Krankheit tritt meist während des Übergangs zur Geschlechtsreife in Erscheinung und führt zu Krustenbildung, Schuppen und Rötungen an Maul, Kinn, Augen, Ohren, Ellbogen und Sprunggelenken. Zu weiteren betroffenen Bereichen zahlen die Ballen und ausseren Genitalien. Die permanente Zufütterung von Zinkpräparaten kann dies verhindern. Ein zweites Symptom tritt bei Welpen verschiedener Rassen, besonders bei sehr grossen, auf. Die Haut rötet sich und verkrustet an Kopf, Körper und den Gliedmassen. Die Nahrung dieser Hunde hat häufig über einen längeren Zeitraum zuviel Kalzium oder zu viele pflanzliche Proteine enthalten. Trotz allem muss man beachten, dass ein Hund nur sehr wenig Zink braucht und hohe Dosen davon giftig für ihn sind. Jodmangel oder eine Störung der Schilddrüsenfunktion gehen oft ebenfalls mit Haarausfall einher. Weil eine Stoffwechselstörung wahrscheinlicher ist als ein Mangel in der Nahrung, ist es notwendig, für eine exakte Diagnose den Rat des Tierarztes einzuholen.

6. Vitaminmangel

Hunde leiden am häufigsten unter Mangel an Vitamin A und Biotin. Der Mangel an Vitamin A wird meist durch fettarme Kost auf der Basis von magerem Muskelfleisch oder durch qualitativ minderwertige und schlecht gelagerte Trockennahrung verursacht. Tiere mit Störungen der Bauchspeicheldrüse oder der Leber leiden ebenfalls an Vitaminmangel, da ihr Körper Fett und damit auch fettlösliche Vitamine nicht ausreichend absorbieren kann. Vitamin-A-Mangel zeigt sich an sehr trockener, harter Haut, trockenem, glanzlosem Haar sowie Haarausfall. Die Augen können von Bindehautentzündung und Hornhautverhärtungen betroffen sein. Es gibt keine eindeutigen Beweise für die Auswirkungen von Biotinmangel auf einen Hund, da Biotin normalerweise durch die Synthese von Mikroben im Verdauungsapparat gewonnen wird. Im Experiment wurde Biotinmangel bei Hunden festgestellt, wenn sie Antibiotika bekamen. Dies verhinderte die Aktivität der Mikroben. Rohes Eiklar enthält ein Protein namens Avidin, das Biotin an sich bindet und es für das Tier unverdaulich macht. Hunde mit Biotinmangel haben rauhes, glanzloses Fell, Haarausfall, schuppige Haut, Entzündungen, nassende Stellen und Hautgeschwüre. Andere Vitamine, die bei mangelnder Zufuhr Einfluss auf Haut und Fell haben können, sind Riboflavin, Pyridoxin, Niazin, Vitamin B12, Panthotensäure, Folsäure und Cholin. Es besteht jedoch nur eine geringe Gefahr, dass es einem Hund an diesen Vitaminen mangelt. Eine der wenigen Ausnahme ist die Hundepellagra (schwarze Zunge), die auf einen Niazinmangel zurückzuführen ist.

7. Nahrungsempfindlichkeiten und Unverträglichkeiten

Fast alles, was Hunde fressen, kann bei dem einen oder anderen Tier irgendwann eine Allergie auslösen. Warum ein Hund plötzlich empfindlich auf ein bestimmtes Antigen reagiert, das vielleicht nur gelegentlich in seiner Nahrung vorkommt, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Zu den Auswirkungen einer Nahrungsmittelallergie gehören Störungen der Haut und des Verdauungssystems.gelegentlich auch akutes Asthma.

8. Verdauungsstörungen

Einige Probleme mit der Verdauungsfunktion können zu Nährstoffmangel und dadurch zu einer Irritation des Fells und der Haut des Hundes führen. Doch die Behandlung eines Hundes mit Verdauungsstörungen über die Nahrung ist sehr komplex und erfordert die genaue Kenntnis der Funktionsstörung. Daher sollte man die Nahrung nach der Anweisung eines Tierarztes zusammenstellen.