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Der Zyklus der Hündin

Geschrieben von Michael Wappler am 29. Juli 2011. Veröffentlicht in Hundephysiologie

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Bei Labradorrüden tritt die Geschlechtsreife im Allgemeinen mit dem 12. Lebensmonat ein und entspricht dem Zeitpunkt in dem die ersten befruchtungsfähigen Spermien gebildet werden. Bei den Hündinnen liegt dieser Zeitpunkt zwischen dem sechsten und zwölften Monat ihres Lebens. Man unterscheidet die Geschlechtsreife, die Fähigkeit zum Eisprung, und die Zuchtreife, die Fähigkeit einen Wurf auszutragen. Die ersten Läufigkeiten können vollkommen unbemerkt verlaufen und es ist dringend davon abzuraten die Hündin bereits in dieser Zeit zum ersten Mal decken zu lassen.

Durchschnittlich entwickeln die zwei Läufigkeiten pro Jahr. Es ist aber auch nicht ungewöhnlich wenn sie es nur einmal im Jahr wird. Bei manchen Hunden tritt die Läufigkeit sogar mehrmals im Jahr auf, ohne dass dies krankhaft wäre. Zu Beginn der Läufigkeit schwillt die Scheide an. Dann blutet die Hündin aus der Vulva. Dies dauert insgesamt etwa drei Wochen. Am Ende dieser Zeit ist die Hündin befruchtungsfähig.

Unabhängig davon ob sie erfolgreich gedeckt wurde oder nicht, läuft hormonell immer eine Trächtigkeit oder Scheinträchtigkeit ab. Eine Geburt oder Scheingeburt findet nach 63 Tagen statt. Danach bildet die Hündin Milch; Dabei sind die einzelnen Phasen von Individuum zu Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt.

Ablauf des Zyklus

Im Proöstrus produzieren die Follikel Hormone welche das Wesen der Hündin in dieser Zeit verändern. Sie lockt die Rüden an und beginnt ihre Genitalien zu lecken. Die Vulva wird stark durchblutet und sondert blutiges Sekret ab. Noch lässt sie aber keine Rüden aufspringen. Im Östrus wird das Scheidensekret klarer was den Deckakt erleichtern soll. Jetzt findet der Eisprung statt. Nach 48 Stunden sind die Eizellen dann Befruchtungsfähig. Nach weiteren 48 – 72 Stunden sind diese dann reif und können von den Spermien des Rüden befruchtet werden.

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Im Unterschied zu anderen Arten beginnen die Eierstöcke der Hündin schon vor dem Eisprung, Progesteron zu produzieren. Der Progesterongehalt des Blutes steigt nun kontinuierlich an, unabhängig davon ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Es kann also ein Eisprung über den Progesteronwert nachgewiesen werden ab keine Schwangerschaft.

Im frühen Metöstrus erreicht der Progesteronwert ein Plateau. Produziert wird das Progesteron von den Gelbkörpern in denen die Eizellen herangereift sind. Dieses Hormon bereitet den Uterus auf das einnisten der Eizelle vor. Unabhängig von einer Trächtigkeit fällt der Progesteronspiegel etwa zwei Monate nach der Ovulation schnell ab was dann eine Geburt ermöglicht. Es beginnt die Laktationsphase, der Uterus bildet sich und es tritt die sexuelle Ruhephase ein.

Scheinschwangerschaft

Die Scheinträchtigkeit / Scheinschwangerschaft oder Pseudogravidität ist eine sehr häufig vorkommende Störung im Lebensalltag unserer Hündinen.

Homöopatische Mittel:

Pulsatilla D30 (bei ausgeprägtem Durst Cyclamen D30) 3x3 Tropfen für Hunde alle Rassen und Größen in das Trinkwasser oder direkt in die Lefzen

Allgemeinmed. Mittel:

In Abhänigkeit vom Gewicht der Hündin CONTRALAC (Metergolin)

Die sogenannte Scheinschwangerschaft beginnt etwa 4-7 Wochen nach der Läufigkeit der Hündin. Erkennbar ist sie dadurch, daß das Gesäuge der Hündin anschwillt, in ausgeprägten Fällen wird sogar Milch produziert. Die Hündin zeigt ein verändertes Verhalten, baut ein Nest, verwendet ihr Spielzeug als Welpenersatz (welches auch oft verteidigt wird). Viele Hündinnen zeigen einen schlechten Appetit und wollen das Haus nicht verlassen.

Die Scheinträchtigkeit ist keine Erkrankung, sondern ein Zeugnis davon, daß unsere Hunde vom Wolf abstammen. Im Wolfsrudel darf nur die Leithündin gedeckt werden und Junge gebären. Da sie jedoch auch die beste Jägerin ist, müssen rangniedrige Hündinnen die Welpen der Leithündin säugen. Deshalb geben sie Milch obwohl sie nicht trächtig waren. Geregelt wird dieser Mutterinstinkt und die Milchproduktion im Gehirn, genauer gesagt in der Hirnanhangsdrüse.

Bei Hündinnen die starke Symptome einer Scheinschwangerschaft zeigen ist es wichtig diese Muttergefühle möglichst zu unterbinden. Ausgedehnte Spaziergänge, der Entzug von Spielzeug und das Verhindern von Nestbauten sind die besten Möglichkeiten den Hund abzulenken.

Wenn das Gesäuge sich entzündet, heiß und geschwollen ist empfiehlt es sich kalte Umschläge aus Topfen anzubringen oder kühlende durchblutungsfördernde Salben aufzutragen.In stärkeren Fällen die mit Fieber und Schmerzen einhergehen muß tierärztlich behandelt werden. Bei einer massiven Milchproduktion können milchhemmende Medikamente verabreicht werden. Eine Scheinschwangerschaft kann nach einer Läufigkeit nicht verhindert werden. Eine echte Schwangerschaft verhindert nicht, daß die Hündin in den darauffolgenden Läufigkeiten nicht wieder scheinträchtig wird.

Bei einer Hündin die nicht zur Zucht verwendet wird empfiehlt es sich, die Hündin kastrieren zu lassen. Neben allen Vorteilen, die diese Operation mit sich bringt, ist dies die einzige Maßnahme die eine Scheinträchtigkeit auf Lebensdauer verhindert. Eine Kastration in frühen Jahren (innerhalb der ersten 1-2 Läufigkeiten) minimiert auch das Risiko einer Tumorentwicklung im Gesäuge, welche bei nichtkastrierten Hündinnen sehr häufig vorkommt.

Ihre Tierärztin / Ihr Tierarzt hat verschiedene Möglichkeiten, das Symptombild schnell und effektiv zu mildern. Sie/Er wird mit Ihnen gemeinsam außerdem entscheiden, wie Sie zukünftige Scheinschwanger- schaften mildern oder ganz verhüten können. {